Anmelden
15
Oktober

Geschichte der sozialen Absicherung

Written by admin. Kommentare deaktiviert für Geschichte der sozialen Absicherung Posted in: Allgemein
Tagged with , , , ,

Die Geschichte des deutschen Sozialversicherungssystem wird schnell mit dem Namen Bismarck in Verbindung gebracht. In der Tat haben die meisten der heute bestehenden Sozialversicherungen ihren Ursprung im Deutschen Kaiserreich.
Das deutsche Sozialversicherungssystem wurde auch häufig als vorbildlich für andere Länder angesehen. Dabei unterliegt die Sozialversicherung in Deutschland ständiger Reformbestrebungen. Ein markantes Beispiel für entfallene Leistungen vom Staate ist die Sterbegeld Absicherung. Zahlte der Staat Ende der 90er Jahre noch über 3000 Euro für die Beisetzung, wird heute nichts mehr gezahlt. Der Abschluss einer Sterbegeldversicherung wird also relevant. Auch im Bereich der Krankenversicherung und Rentenversicherung geht die Entwicklung immer stärker in Richtung private Vorsorge und private Zusatzversicherungen. Doch wie sah es früher aus? Wo haben die Sozialversicherungen ihren Ursprung und unter welchen gesellschaftspolitischen Hintergrund wurden sie eingeführt?

Die soziale Absicherung geht weiter zurück als bis zu Bismarck. Bereits das System der Gilden und Zünfte im Bergbaugewerbe kannte ein soziales Fürsorgesystem für die Angestellten, das allgemein als Vorgänger unser heutigen sozialen Absicherungssysteme gilt.
So etwas wie ein Sozialstaatssystem entstand aber erst im späten 19. Jahrhundert unter Reichskanzler Bismarck, der damit der erste Staatsherr gewesen ist, der ein staatlich organisiertes und verwaltenes Fürsorge- und Vorsorgesystem einführte. Unter Historiker ist es aber umstritten, worin die Intention dafür liegt. Während die einen Bismarck als Urvater der staatlichen Sozialversicherungen sehen, bemängeln andere die Einführung einer – auch für damalige Verhältnisse geringfügig ausgestaltete – Rentenversicherung, Krankenversicherung und Invaliditätsversicherung sei lediglich als Beruhigungspille für die Arbeiter und die aufkeimende Sozialdemokratie zu verstehen.
Im Jahr 1883 wurde das Krankenversicherungsgesetz, das die gesetzliche Krankenversicherung begründete, vom Reichstag beschlossen. Die Leistungen bestanden im wesentlichen darin, dass ärztliche Behandlung und Medikamente für Arbeiter versichert waren, sowie ein Krankengeld gezahlt wurde. Wenn der Arbeiter mehr als zwei Tage krank ist und nicht mehr als 26 Wochen, wurde ihm in der Regel fünfzig Prozent weiter gezahlt. Darüber hinaus wurde auch die Krankenhausbehandlung, Mutterschaftshilfe und ein Sterbegeld gezahlt, so dass schon damals die Sterbefall Absicherung gewährt wurde, die aber heute ganz entfallen ist, wie bereits oben erwähnt.
Die Beiträge zur Krankenversicherung wurden aber nur zu einem Drittel vom Arbeitgeber gezahlt, dagegen hatte der Arbeiter zwei Drittel zu zahlen. (Nach einem Papier der Arbeitsgruppe Gesundheitspolitik der CDU/CSU-Bundestagsfraktion würde am liebsten die Union Arbeitgeber hier entlasten und Arbeitgeber belasten, wenn dann aber wohl in sehr geringeren Umfang als dies bei Bismarck der Fall war).

Ein Jahr später folgte dann auch eine staatliche Unfallversicherung, die bei Unfällen am Arbeitsplatz leisten würde und bei einer Arbeitsunfähigkeit in Folge eines Unfalles eine Unfallrente ab einer gewissen Wartezeit gewährte, sowie für die medizinische Behandlung zur Heilung oder Linderung der Unfallfolgen leistete.
Bei der Unfallversicherung hatte der Arbeitgeber den vollen Beitrag zu zahlen, allerdings kam zunächst nur ein sehr eingeschränkten Beschäftigungskreis in den Genuß des Unfallschutzes, der aber in den Folgejahren auf weitere Personenkreise ausgeweitet wurde.
Die gestzliche Rentenversicherung folgte dann erst 1889, allerdings wurde Renten erst ab dem 70. Lebensjahr gewährt, so dass die große Mehrzahl der Versicherten gar nicht erst in Genuß der Leistungen gekommen ist, weil die Lebenserwartung deutlich niedriger war als heute, womit die damalige Rentenversicherung kaum mit Defizitproblemen zu kämpfen hatte. Für den Fall der Invalidität oder schwer wiegenden Krankheit wurde aber auch eine Invalidiätsrente bzw. ein Übergangsgeld gezahlt.
1911 wurde dann im Rahmen der Reichsversicherungsordnung auch die Hinterbliebenenrente eingeführt und weitere bestehende Sozialversicherungsmaßnahmen weiter entwickelt. So wurde u. a. auch eingeführt, dass Angestellte jetzt eine Altersrente erhalten, die ab dem 65. Lebensjahr gewährt wurde. (Angestellte waren auch damals schon gesondert aufgeführt neben Beamte und Arbeitern).
In der Weimarer Republik war es dann aber nicht gerade gut bestellt um die (Weiterentwicklung) der Sozialversicherung. So verlor die Rentenversicherung in Folge der Weltwirtschaftskrise und Inflation beinahe ihr gesamtes Vermögen.
Unter Adolf Hitler stand dann die soziale Absicherung unter dem Stern des Gedankens der Volksgemeinschaft. Andererseits waren aber die Entscheidung der Nationalsozialisten oft auch widersprüchlich. So führte z. B. das Verbot für die Ersatzkassen weiterhin freiwillig Versicherte aufzunehmen dazu, dass viele private Versicherungsunternehmen ihren Ursprung in den späten 30er Jahren haben.
In der Nachkriegszeit wurde dann das staatliche Sozialversicherung System konsequent ausgebaut und zu einem langfristig tragfähigen Konzept weiter entwickelt.
1957 kam es zu einer Reform der Rentenversicherung, deren Kernelemente der Generationenvertrag, die Dynamik der Versicherungsleistungen und die Aufteilung der Beiträge zwischen Unternehmer und Beschäftigter gewesen ist.
In den 70er Jahren wurde dann die Gesetzliche Rentenversicherung auch für Selbstständige und Hausfrauen zugelassen.
Eine besondere Herausforderung der Sozialen Versicherungssysteme entstand mit der Wiedervereinigung, die dazu führte, dass die soziale Absicherung auch auf die neu hinzu gekommen Bundesländer ausgedehnt wurde.